Aussagen von Herrn Stief zur Stiefografie
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Frage: „Lieber Herr Stief, über Sie wundert man sich in Fachkreisen, daß Sie als Inhaber mehrerer Weltrekorde in Stenografie ein neues Kurzschriftsystem auf den Markt gebracht haben.“

 

Herr Stief: „Das ist nicht verwunderlich. Mein System ist nicht geschaffen worden, um der Deutschen Einheitskurzschrift Konkurrenz zu machen, sondern um all denen zu helfen, die beim Erlernen der Deutschen Einheitskurzschrift Schwierigkeiten haben. Der Sinn meiner Entwicklung liegt darin, daß all denen geholfen werden soll, die mit der Einheitskurzschrift nicht fertig wurden. So ist zum Beispiel die Tatsache festzustellen, daß ein Drittel aller derer, die DEK erlernt haben, Schwierigkeiten mit ihr hatten, insofern, daß sie die Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer und selbst in der Schule mit dem ersten Anlauf nicht bestehen. Ich habe die neue Kurzschrift ausgearbeitet, weil mir die DEK in ihrer Grundkonzeption zu viele Regeln hat, die beim Schreiben alle beachtet werden müssen. So gibt es allein für das s rund 14 Regeln. Das t wird als einziges Schriftzeichen sowohl durch Aufstrich als auch durch Abstrich dargestellt. Ich habe die Stiefografie so einfach gestaltet, sodaß es keine Ausnahmen gibt und im ganzen nur ein Dutzend Regeln zu erlernen sind. Das ganze System kann in wenigen Wochen beherrscht werden.“

 

Quelle: Stief, Helmut, u. a.: Geschichte der Stiefografie, Hanau (1977), S. 1

 

 

 

Vorbemerkung zu Stiefs folgendem Artikel:

Helmut Stief beschreibt hier die Grundschrift, also die erste Stufe des dreistufigen Stenografiesystems Stiefografie (Gliederung in Grundschrift, Aufbaustufe I, Aufbaustufe II)

  

Helmut Stief:

Die Stiefografie - Das Kurzschriftalphabet der deutschen Sprache

 

Wenn wir erkannt haben, daß etwas schlecht ist, haben wir nicht nur das moralische Recht, sondern die moralische Pflicht, solange zu wirken, bis an die Stelle des Schlechten das Bessere getreten ist. Diese Erkenntnis führte zur Schaffung der "Stiefografie". Was ist nun die "Stiefografie" und worin besteht das Wesen dieser "Stiefografie"?

 

Es gibt darauf eine einfache Antwort: Die "Stiefographie" ist das Kurzschriftalphabet für die deutsche Sprache. So einfach wie in der Langschrift die Schriftzeichen zu Wörtern zusammengesetzt werden, so einfach werden aus den Schriftzeichen der "Stiefografie" Wörter gebildet. Die Schrift besteht aus 25 Zeichen und den sinnbildlichen Darstellungen für die Selbstlaute. Das Charakteristische der Schriftzeichen: Sie beginnen alle an einem Punkt über der Grundlinie und stehen mit dem Fußpunkt auf der Grundlinie. Alle Schriftzeichen werden ohne Ausnahme nach denselben Regeln zu Wörtern verbunden. Die Schrift ist drucklos. Es gibt keine Kürzel.

 

Das Problem einer Kurzschrift ist die Wiedergabe der Vokale: Sinnbildliche Darstellung oder buchstäbliches Schreiben. Da die Schriftzeichen der "Stiefografie" alle in der Grundstellung mit dem Fußpunkt in gleicher Höhe stehen, konnte das Prinzip der sinnbildlichen Darstellung durch Veränderung der Stellung und Verbindung von zwei Zeichen konsequent durchgeführt werden. Bei gleicher Stellung und Verbindung ist immer der gleiche Selbstlaut dargestellt. Die Veränderung der Stellung der Fußpunkte von zwei Zeichen zueinander ist optisch besser, als die buchstäbliche Schreibung durch verschieden lange und verschieden hohe Bindestriche. Die Schriftzeichen für die Konsonanten wurden auf Grund von Häufigkeitszählungen entwickelt. Die Zeichen für die drei häufigsten Konsonanten d, r, n wurden aus der Sinuskurve entwickelt.

 

Mit der "Stiefografie" (Zwischenbemerkung: Herr Stief meint die Grundschrift der Stiefografie) können wegen ihrer Schreibflüchtigkeit ohne Mühe 120 und mehr Silben erreicht werden.

 

 

Die Systemurkunde der Stiefografie

 

1. Die Mitlaute werden buchstäblich geschrieben.

2. c, qu, v, x, y werden aussprachegemäß geschrieben.

3. v, nk, nt und Doppelkonsonanten werden durch eien waagerechten Strich über dem Schriftzeichen bezeichnet.

4. Die Zeichen für nd/nt, ng/nk, cht, pf, sp, st dürfen bei der Sprachsilbenfuge nicht benutzt werden.

5. Linksauslaufende Zeichen werden - wenn Aufstriche folgen - mit Fußschleife geschrieben.

6. Aufeinanderfolgende Mitlaute werden eng aneinandergeschrieben.

7. Die Selbstlaute werden sinnbildlich dargestellt:

Im Inlaut durch die Veeränderung der Stellung und Verbindung von zwei Zeichen zueinander:

e, ä                 einfache Verbindung, Grundstellung

i, ie, ü, y         einfache Verbindung, 1/2 Stufe Tiefstellung

a                    einfache Verbindung, 1/2 Stufe Hochstellung

ö                    einfache Verbindung, 1 Stufe Hochstellung

u, au              weite Verbindung, Grundstellung

o                    weite Verbindung, 1/2 Stufe Tiefstellung

ei, ai, ey, ay   weite Verbindung, 1/2 Stufe Hochstellung

eu, äu            weite Verbindung, 1 Stufe Hochstellung

ä, ü, au werden zur Unterscheidung von e, i, u mit einem Punkt unter dem Selbstlautstrich dargestellt. Der Punkt kann wegfallen, wenn keine Verwechslungen möglich sind. - Die Grund-, Tief- und Hochstellung rechnen vom Fußpunkt des vorhergehenden Zeichens an.

8. Folgen zwei Selbstlaute aufeinander, wird der erste unter Verwendung des Selbstlautzeichens dargestellt.

9. Im Anlaut werden die Selbstlaute wie im Inlaut dargestellt. Der Selbstlautstrich beginnt auf der Grundlinie.

10. Im Auslaut werden die Selbstlaute wie im Inlaut vor dem Selbstlautzeichen dargestellt. Das Selbstlautzeichen wird nicht geschrieben.

 

 

Erste Unterrichtsversuche

 

In Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Studentenausschuß habe ich Testkurse mit Studenten der Universitäten Frankfurt, Heidelberg und Marburg, der Staatlichen Hochschule für Technik und Fraters in einem Kloster in Hennef durchgeführt. Zahlreiche Studenten konnten nach der ersten Einführungsstunde auf eine weitere Teilnahme am Kursus verzichten. Nach zwei bzw. drei Unterrichtsabenden wurden schwierige philosophische und juristische Texte fehlerfrei geschrieben.

 

Zahllos sind die Schreiben - in Stiefografie geschrieben - in denen bestätigt wird: Nach einer Woche - bei täglich einer Stunde üben - konnte ich das System schreiben. Herr Alliger - Anhänger und Lehrbuchverfasser der Einfachen Kurzschrift von Otto - hat die Stiefografie und ihre Lernbarkeit getestet. Das Ergebnis: Deutsche Kurzschrift 16 Zeiteinheiten Lerndauer, Stolze-Schrey 8, Einfache Kurzschrift von Otto 4 und Stiefografie 2 Zeiteinheiten.

 

Von den Lernenden wird besonders der angenehme Schreibrhytmus der nur ein- und halbstufigen Zeichen hervorgehoben, die Drucklosigkeit, das Fehlen von Kürzeln und der einfache Aufbau.

 

Quelle: Stief, Helmut: Die Stiefografie - Das Kurzschriftalphabet der deutschen Sprache, in: Kürzel, Tasten, Automaten 1966, S. 165 - 166


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